Konstanz
info@csd-konstanz-kreuzlingen.de

Welt AIDS Tag 2021 – Schwester Agnetha Maria O.S.P.I. stellt sich vor.

CSD KONSTANZ & KREUZLINGEN

Welt AIDS Tag 2021 – Schwester Agnetha Maria O.S.P.I. stellt sich vor.

01.12.2021 – alles ist anders. Normalerweise würde ich bunt angemalt in Fußgängerzonen stehen, durch Kneipen ziehen, mit einer Spendendose und einem Korb voller Kondome und roten Schleifen – oder eigene Veranstaltungen abhalten, zum Welt AIDS Tag. Das war noch in Köln so, bevor ich an den Bodensee gezogen bin. Alle Jahre wieder.

Mein Ex-Mann sagte damals. Du wirst schon sehen, hier unten ticken die Uhren etwas anders. Ja, das ist so. Hier ist es ruhiger. Dann kam COVID 19 und sie ticken noch langsamer, das nun aber bundesweit.

Darf ich mich kurz vorstellen? Ihr habt mich schon gesehen, auf den Veranstaltungen des CSD Konstanz + Kreuzlingen. Der bunte Vogel mit dem BH auf dem Kopf und einem Schwesternkragen um den Hals. Ich bin Schwester Agnetha Maria Rabiata im Seidengewande der ewigen Wolllust vom Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz. Freund*innen nennen mich Aggi.

Doch was hat diese Aufmachung mit AIDS zu tun und warum macht ein BH auf dem Kopf aus einer Teilzeit-Tunte eine Nonne? Ich versuche es kurz zu machen. Wie Manche(r) leidvoll weiß, fällt mir das nicht immer leicht.

Gehen wir mal ein ganzes Stück zurück. In die 70er Jahre. Da habe ich noch mit Puppen gespielt. Damals liehen sich Tunten in Idaho von einem Konvent Ornate (Schwesterntrachten) von verstorbenen Schwestern aus, um das Musical „The Sound of Music“ nachzuspielen. Diese Ornate fanden den Weg nicht wieder zurück ins Kloster, dafür aber in die Koffer von Kennet Bunch, als er nach San Francisco zog.

Ostern 1979 kam er auf den Gedanken, dass er noch ein paar schrille Schwesternfummel im Schrank hatte und verabredete sich mit Freunden, um in diesen Klamotten das Castro Viertel und den schwulen Strand Lands End unsicher zu machen. Kerle im Nonnenhabit waren selbst in der Stadt des Flower Power und der freien Liebe ein Hingucker, eine Provokation.

Das erkannten sie und beschlossen, diesen Umstand zu nutzen, um für karitative Zwecke Spenden zu sammeln, aber auch für politischen Aktivismus. „The Sisters of Perpetual Indulgence“ wurden geboren. Kenneth arbeitete im Polizeidienst und durfte natürlich in der Aufmachung nicht erkannt werden. Also begann er sich, zur Verfremdung das Gesicht weiß zu schminken und grelles Augen Make Up und Lippenstift aufzutragen.
Noch heute ist dieses weiße Make Up und die bunte Malerei ein (nahezu) weltweites (in Deutschland seit 1991) Erkennungsmaterial für Schwestern der Perpetuellen Indulgenz. Manche von uns erklären das so: Die weiße Farbe der Grundierung symbolisiert den Tod, die bunten Farben oder der Glitzer darauf das Leben, dass wir ihm entgegen setzen.

Und was hat das Theater nun mit AIDS zu tun?

Als AIDS sich in der Gay Community auszubreiten begann, war der Umgang mit den HIV Positiven und an AIDS Erkrankten von Angst und Unsicherheit geprägt, aber auch von Schuldzuweisungen. HIV Positive wurden zu Unberührbaren. Das ging durch alle Gesellschaftsschichten, auch bis zu denen die ja gar keinen Sex haben, aber die ganze Zeit darüber reden, also der katholischen Kirche. Der Papst Johannes Paul, der zweite, bezeichnete AIDS als „Strafe Gottes“.

The Sisters of Perpetual Indulgence erkannten das und veröffentlichten die weltweit erste Safer Sex Broschüre unter dem Titel „Play Fair!“, welche in positiver Sprache über die AIDS Thematik aufklärte. Und sie begannen AIDS Selbsthilfe Projekte zu unterstützen, in dem sie Spenden für diese sammelten. Ein Hauptsatz unserer Arbeit ist: Stop the Guilt! – Schluss mit der Schuld!

Heute hat sich das Arbeitsgebiet und die Gruppe der Empfänger von Spenden ausgeweitet. Die Schwestern unterstützen durch ihr Tun die große Gruppe der Queer Community, die ja auch vielfältiger geworden ist. So kommt es, dass Schwestern auf dem Rad durch Kalifornien fahren, um zum AIDS/Life Cycle die San Francisco AIDS Foundation zu unterstützen und das Los Angeles Gay and Lesbian Center, dass sie Thekendienste auf Bierwagen zu Benefizfußballspielen machen, bei Queer Refugee Projekten mitmischen, oder eben auf Partys des CSD Konstanz + Kreuzlingen an der Kasse sitzen und noch Vieles mehr.

Prävention und Aufklärung zu HIV und AIDS ist auch heute noch ein Thema, wie ich heute auf Facebook sehen durfte. Ein junger Mann, der als die Sisters mit ihrer Arbeit begannen, noch lange nicht in der Familienplanung vorgesehen war, postete: Alles Gute zum Weltblödtag!

Ich habe ihm freundlich geantwortet.


Liebe Grüße vom anderen Ufer

Aggi

Weblinks:
www.thesisters.org (Mutterhaus in San Francisco)
www.indulgenz.de (Deutsches Mutterhaus in Berlin)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.