Konstanz
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Jauchzet? Frohlocket? Auf preiset die Tage?!

CSD KONSTANZ & KREUZLINGEN

Jauchzet? Frohlocket? Auf preiset die Tage?!

Homosexuality is (s)in

Auch in Konstanz wurden LGBTIQ+ Paare gesegnet. Was sagt der CSD Konstanz + Kreuzlingen dazu? Wir erhielten eine Anfrage aus der Lokalredaktion Konstanz des des Südkurier. Auszüge aus unseren Antworten fanden sich auch in dem Artikel wieder.

Hier veröffentlichen wir für Euch nun unsere komplette Stellungnahme, welche stellvertretend duch unser Mitglied Schwester Agnetha Maria R. vom Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz erfolgte.

Vorab erlaubt mir bitte die Bemerkung, dass es uns als CSD Konstanz + Kreuzlingen e.V. nur schwer oder eher unmöglich ist, für die gesamte LGBTIQ+ Community zu diesem Thema eine allgemeingültige Aussage zu treffen. Religiöse Gefühle, der Glauben sind zutiefst persönliche Dinge und verletzte Gefühle, die aus dem gelebten Glauben und dem eventuell auch daraus resultierenden Widerspruch entstehen, sind zutiefst persönliche Verletzungen. Glaube hat ja sehr viel mit der Ursprungsfamilie, der darin genossenen Erziehung zu tun. Und so ist die Haltung der katholischen Kirche, gerade zu den von der Heteronormativität abweichenden Lebensweisen, für so Manche*n ein sehr persönliches Minenfeld.

SK: Sind diese Segnungen nur Symbolpolitik oder gar ein Zeichen für einen „echten Aufbruch“?

Kann die katholische Kirche Aufbruch?
Seit Jahren versucht Maria 2.0 schon an den staubig verkrusteten Strukturen der katholischen Kirche zu kratzen.
Ja, Frauen dürfen in der Kirche mitarbeiten. Sie dürfen putzen und Blumen auf dem Altar richten. Nein, sie dürfen noch immer keine kirchlichen Würdenämter besetzen.
Diese sind noch immer den „kirchlichen Hodenträgern“ (Zitat: Biggi Wanninger, Stunksitzung Köln) vorbehalten. Es gibt noch immer keine katholischen Priester*innen anderer Geschlechter.

Gäbe es sie, dann wäre das ein Aufbruch. Dass Pfarrer sich jetzt über das jüngst noch mal von oberster Stelle bekräftigte Segnungsverbot homosexueller Paare hinwegsetzen, ist, so wie Maria 2.0, auch ein guter Anfang, ein Schrittchen.
Es ist eine Anerkennung dessen, dass LGBTIQ+ Menschen immer mehr ganz selbstverständlich am Leben der Gesellschaft teilnehmen. Die Zeiten, wo die LGBTIQ+ Community hinter blickdichten Scheiben und Türen mit Guckloch versteckt hat, sind endgültig vorbei.
Diese Selbstverständlichkeit führt auch dazu, dass LGBTIQ+ Personen es sich nicht nehmen lassen, ihren Glauben sichtbar zu leben. In den Gemeinden ist das angekommen. Davon ist noch keine Kirche eingestürzt. Schauen wir, ob aus diesen Graswurzelrevolutionen ein echter Aufbruch werden kann.

SK: Inwiefern empfinden Sie es als Verein spät oder rückständig, dass es erst im Jahre 2021 in der Seelsorgeeinheit Konstanzer Gemeinde homosexuelle Paare gesegnet werden bzw. dieses als ein solches Ereignis stattfindet?

Das kann man so nicht sagen. Die Kirche ist eine zutiefst hierarchisch strukturierte Angelegenheit. Da kann nicht jeder Pfarrer machen, was er will, selbst wenn er wollte.
Nun hat sich aus den Metropolen, wie zum Beispiel Köln mit prominenter Unterstützung, auch durch die Band Brings mit dem Lied „Liebe gewinnt“ eine Bewegung im deutschsprachigen Raum entwickelt, die gut an Fahrt aufgenommen hat. Sie ist dadurch, dass sich so viele Kirchengemeinden daran beteiligen, nicht mehr einfach so unter die prunkvollen Teppiche der Bischofspaläste zu kehren. Und das ist auch gut so.

 SK: Wie wird die „Rückwärtsgewandheit“ der Kirche in der LGBT+-Community Ihrer Erfahrung nach betrachtet? Und spielt das für die Menschen überhaupt eine Rolle?


Der Papst beteuerte 2013: „Wenn jemand schwul ist und den Herrn sucht, wer bin ich, um ihn zu verurteilen? Man darf diese Personen nicht diskriminieren oder ausgrenzen.“ 2018 stellte er fest: Bei jüngeren Kindern mit homosexuellen Neigungen ließe sich „noch vieles machen, mit der Psychiatrie etwa, um zu sehen, wie die Dinge sich verhalten“. Dies sagte das katholische Kirchenoberhaupt bei einer Pressekonferenz wieder mal über den Wolken. Nun ist die Glaubenskongregation und wohl auch damit auch er der Meinung, einzelne Homosexuelle könnte man schon segnen, aber doch bitte keine homosexuellen Paare. Und wenn man das sieht, so ist das vermutlich vielen Katholiken z.B. in Polen schon wieder zu liberal. „Die katholische Kirche“ ist, was dieses Thema angeht, mit Sicherheit kein Monolith. Dann sind da noch die Missbrauchsskandale, die keine wirkliche Aufklärung finden. Das alles mag so manche*n zur Kirchentür herausgetrieben haben. Dennoch werden sie sehr genau schauen, was „ihre“ Kirche so tut. Genau so, wird es LGBTIQ+ Personen geben, für die dieser Segen, sehr wichtig und Balsam für die Seele ist. Das bedeutet letztendlich, dass wir auch hier eine große Diversität haben.


 

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